Wechseljahre-Wegweiser

Mittel im Vergleich

Pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden: Was die Studien zeigen

Kurz gesagt

Die Hormontherapie lindert Hitzewallungen besser als jedes pflanzliche Mittel.⁠[1] Am besten untersucht sind Isoflavone aus Soja: In 17 Studien kamen Hitzewallungen damit um 20,6 % seltener vor als mit einem Scheinmittel.⁠[2] Cochrane-Auswertungen zu Phytoöstrogenen und zu Traubensilberkerze fanden dagegen keinen klaren Beleg.⁠[3]⁠[4] Für die meisten anderen Pflanzen gibt es nur einzelne kleine Studien.

Welche pflanzlichen Mittel helfen gegen Wechseljahresbeschwerden?

Ein pflanzliches Mittel, dessen Nutzen sicher belegt ist, gibt es bisher nicht.⁠[5] Am ehesten kommen nach der deutschen Leitlinie Isoflavone und Präparate mit Traubensilberkerze bei Hitzewallungen infrage.⁠[6]

Die größte Auswertung stammt aus dem Jahr 2016: 62 Studien mit 6.653 Frauen. Mittel mit Phytoöstrogenen gingen darin mit etwas weniger Hitzewallungen und weniger Scheidentrockenheit einher, nicht aber mit weniger Nachtschweiß. 74 % der Studien hatten in mindestens 3 Bereichen ein hohes Risiko für verzerrte Ergebnisse.⁠[7]

Das macht die Bewertung schwierig. In Studien mit Hitzewallungen wirkt auch das Scheinmittel oft deutlich: Die Zahl der Hitzewallungen ging damit je nach Studie um 1 bis 59 % zurück.⁠[3] Nur Studien mit Vergleichsgruppe zeigen deshalb, ob eine Pflanze mehr bringt als die Erwartung.

Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt und keine Krankheit. Starke Beschwerden lassen sich aber behandeln. Die wirksamste Behandlung von Hitzewallungen ist die Hormontherapie.⁠[1] Ob sie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.⁠[8] Pflanzenstoffe ersetzen keine Hormone.

16 Pflanzen im Studien-Check: Studienlage, Auswertungen, Sicherheit

Die Tabelle zeigt für jede Pflanze die wichtigste Studie oder Auswertung, das Ergebnis im Vergleich zu einem Scheinmittel und was Behörden zur Sicherheit sagen. Oben steht die beste Studienlage, unten die schwächste.

PflanzeStudien und ErgebnisSicherheit und Einordnung
Isoflavone aus SojaGlycine maxStudien uneinheitlichMeta-Analyse von 17 Studien mit Vergleichsgruppe, im Mittel 54 mg Isoflavone täglich über 6 Wochen bis 12 Monate.⁠[2] Hitzewallungen um 20,6 % seltener und um 26,2 % schwächer als mit einem Scheinmittel.⁠[2] Cochrane: kein schlüssiger Beleg für Phytoöstrogene insgesamt, Extrakte mit mehr als 30 mg Genistein täglich senkten die Zahl der Hitzewallungen aber durchweg.⁠[3]In Studien bis 2 Jahre kein Hinweis auf eine Anregung von Gebärmutterschleimhaut oder Scheide und keine anderen Nebenwirkungen, Frauen mit Brustkrebs waren aber ausgeschlossen.⁠[3] Laut deutscher Leitlinie bei Hitzewallungen möglich⁠[6], die NAMS empfiehlt Soja-Extrakte nicht.⁠[1]
RotkleeTrifolium pratenseStudien uneinheitlichMeta-Analyse von 8 Studien mit Vergleichsgruppe, Rotklee-Extrakt mit Isoflavonen.⁠[9] Im Schnitt 1,73 Hitzewallungen weniger pro Tag als mit einem Scheinmittel, deutlicher ab 80 mg Isoflavonen täglich.⁠[9] Cochrane: mit dem Extrakt Promensil in 5 Studien kein klarer Unterschied.⁠[3]Wie bei Soja: in Studien bis 2 Jahre kein Hinweis auf Nebenwirkungen an Gebärmutterschleimhaut oder Scheide.⁠[3]
TraubensilberkerzeCimicifuga racemosaStudien uneinheitlichCochrane-Auswertung von 16 Studien mit 2.027 Frauen, im Mittel 40 mg täglich über 23 Wochen.⁠[4] Bei der Zahl der Hitzewallungen kein Unterschied zu einem Scheinmittel, die Hormontherapie wirkte besser.⁠[4] Die EMA wertete rund 20 Studien mit über 6.000 Patientinnen aus und sieht darin eine Besserung der Beschwerden.⁠[10]Als Arzneimittel bei Hitzewallungen und starkem Schwitzen anerkannt. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 6 Monate. Bei Zeichen eines Leberschadens sofort absetzen.⁠[10]
JohanniskrautHypericum perforatumStudien uneinheitlichMeta-Analyse von Studien mit Johanniskraut allein oder kombiniert mit anderen Pflanzen.⁠[11] Dazu eine systematische Auswertung.⁠[12] Meta-Analyse: besser als ein Scheinmittel, Nebenwirkungen ähnlich häufig (17,4 gegen 15,4 %).⁠[11] Andere Auswertung: allein nicht besser als ein Scheinmittel, zusammen mit Traubensilberkerze besser.⁠[12]Bei mehr als 1 mg Hyperforin täglich Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten, etwa Gerinnungshemmern. Auch die Pille schützt dann schlechter. Eine EU-⁠Monographie für die Kombination mit Traubensilberkerze ist im Entwurf.⁠[13]
Pollenextraktgereinigter BlütenpollenStudien uneinheitlichStudie mit Vergleichsgruppe bei 64 Frauen, 3 Monate 2 Tabletten täglich: 65 % hatten weniger Hitzewallungen, mit Scheinmittel 38 %.⁠[14] Meta-Analyse von 5 Studien mit 420 Frauen, nur eine davon mit zufälliger Zuteilung. Nur die Studien mit Vergleichsgruppe zusammengefasst: kein eindeutiger Unterschied mehr.⁠[15]Nennenswerte Nebenwirkungen fand die Auswertung nicht.⁠[15]
GinsengPanaxkleiner VorteilSystematische Auswertung von 15 Studien mit Vergleichsgruppe, verschiedene Ginseng-Arten, darunter Koreanischer Roter Ginseng.⁠[16] In 3 Studien mit 515 Frauen leicht weniger Beschwerden und Hitzewallungen. Bei den meisten Studien sahen die Autoren methodische Schwächen.⁠[16]In 3 Studien veränderte Koreanischer Roter Ginseng die Dicke der Gebärmutterschleimhaut nicht nachweisbar.⁠[16]
SalbeiSalvia officinaliseinzelne kleine StudienDoppelblinde Studie mit Vergleichsgruppe bei 80 Frauen, 4 Wochen Tabletten mit 280 mg Dickextrakt aus frischem Salbei täglich.⁠[17] Dazu eine offene Studie ohne Vergleichsgruppe mit 71 Frauen nach der Menopause, 8 Wochen 1 Tablette täglich.⁠[18] Hitzewallungs-Wert um 55 % gesunken, deutlicher als mit einem Scheinmittel.⁠[17] In der offenen Studie Hitzewallungen nach Stärke gewichtet um 64 % weniger.⁠[18] Beide Studien hat der Hersteller mitgetragen. Eine Meta-Analyse von 4 Studien kam zu einem unsicheren Ergebnis.⁠[19]Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei übermäßigem Schwitzen, auch als Tee. Keine Wechselwirkungen bekannt, in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.⁠[20]
AshwagandhaWithania somniferaeinzelne kleine StudienVier kleine Studien aus Indien mit Vergleichsgruppe und 60 bis 127 Frauen, meist 600 mg Wurzelextrakt täglich über 8 bis 24 Wochen.⁠[21]⁠[22]⁠[23]⁠[24] In allen 4 Studien gingen die Beschwerden stärker zurück als mit einem Scheinmittel.⁠[21]⁠[22]⁠[23]⁠[24] Keine Meta-Analyse.Das BfR und andere europäische Behörden empfehlen, keine Präparate mit Ashwagandha einzunehmen, vor allem nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei Lebererkrankungen. Hinweise auf Wechselwirkungen mit Mitteln gegen Diabetes und Bluthochdruck.⁠[25]
FenchelFoeniculum vulgareeinzelne kleine StudienStudie mit Vergleichsgruppe bei 90 Frauen nach der Menopause, 8 Wochen 2 Kapseln mit je 100 mg Fenchel täglich.⁠[26] Der Beschwerde-Wert (Menopause Rating Scale) lag nach 4, 8 und 10 Wochen niedriger als mit einem Scheinmittel.⁠[26] Keine Meta-Analyse.In der Studie keine ernsten Nebenwirkungen.⁠[26] Als traditionelles Arzneimittel bei Blähungen, leichten Krämpfen während der Periode und Husten eingestuft. Eine Einstufung für die Wechseljahre gibt es nicht. In Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.⁠[27]
MacaLepidium meyeniieinzelne kleine StudienÜberkreuz-Studie mit 14 Frauen nach der Menopause, je 6 Wochen 3,5 g Maca-Pulver täglich und ein Scheinmittel.⁠[28] Weniger seelische Beschwerden wie Ängstlichkeit und gedrückte Stimmung und weniger sexuelle Probleme als mit dem Scheinmittel.⁠[28] Keine Meta-Analyse.Die Studie dauerte 2-⁠mal 6 Wochen. Zur Sicherheit bei längerer Einnahme sagt sie nichts.⁠[28]
HopfenHumulus lupuluseinzelne kleine StudienStudie mit Vergleichsgruppe bei 67 Frauen, 12 Wochen Hopfenextrakt mit 100 oder 250 µg 8-⁠Prenylnaringenin täglich.⁠[29] Mit 100 µg nach 6 Wochen besser als ein Scheinmittel, nach 12 Wochen nicht mehr. Die höhere Menge schnitt schlechter ab als die niedrigere.⁠[29]Als traditionelles Arzneimittel bei leichten Stresszeichen und zum Einschlafen eingestuft. Eine Einstufung für die Wechseljahre gibt es nicht.⁠[30]
Rosenwurz (Rhodiola)Rhodiola roseaeinzelne kleine StudienStudie mit 220 Frauen, 12 Wochen: Traubensilberkerze allein, Traubensilberkerze mit Rosenwurz oder ein Scheinmittel.⁠[31] Die Kombination schnitt besser ab als Traubensilberkerze allein und als das Scheinmittel. Rosenwurz allein wurde nicht untersucht. Ein Autor ist für Unternehmen der Branche tätig.⁠[31]Als traditionelles Arzneimittel für eine kurze Anwendung eingestuft, ohne ärztlichen Rat höchstens 2 Wochen. Eine Einstufung für die Wechseljahre gibt es nicht.⁠[32]
MönchspfefferVitex agnus-castusStudien uneinheitlichZwei kleine Studien mit Vergleichsgruppe bei 52 und 60 Frauen nach der Menopause, 8 Wochen 2-⁠mal täglich 30 mg oder 60 Tage einmal täglich 300 mg Extrakt.⁠[33]⁠[34] Dazu eine Studie mit Johanniskraut und Mönchspfeffer bei 100 Frauen.⁠[35] In beiden kleinen Studien weniger Beschwerden als mit einem Scheinmittel, eine davon vom Hersteller finanziert.⁠[33]⁠[34] Zusammen mit Johanniskraut nicht besser als ein Scheinmittel.⁠[35] Keine Meta-Analyse.Als Arzneimittel nur beim prämenstruellen Syndrom anerkannt, also bei Beschwerden vor der Periode.⁠[36]
YamswurzelDioscorea villosanicht besser als ScheinmittelÜberkreuz-Studie mit 23 Frauen, je 3 Monate Yams-Creme und eine Creme ohne Wirkstoff.⁠[37] Kein Unterschied bei den Beschwerden. Die Hormonwerte in Blut und Speichel veränderten sich nicht.⁠[37]In der Studie mit einer Creme, nicht mit Kapseln, traten keine nennenswerten Nebenwirkungen auf.⁠[37]
LeinsamenLinum usitatissimumnicht besser als ScheinmittelStudie mit Vergleichsgruppe bei 188 Frauen nach der Menopause, 6 Wochen täglich ein Riegel mit Leinsamen (410 mg Lignane).⁠[38] Die Hitzewallungen gingen in beiden Gruppen zurück, ohne klaren Unterschied.⁠[38]In beiden Gruppen Blähungen, Durchfall und Übelkeit, laut Studie vermutlich durch die Ballaststoffe.⁠[38]
NachtkerzenölOenothera biennisnicht besser als ScheinmittelStudie mit Vergleichsgruppe bei 56 Frauen, 6 Monate täglich 8 Kapseln mit je 500 mg Nachtkerzenöl.⁠[39] Kein Vorteil gegenüber dem Scheinmittel. Mit dem Scheinmittel gingen die Hitzewallungen am Tag sogar deutlicher zurück.⁠[39]Nur 35 der 56 Frauen nahmen bis zum Ende teil.⁠[39]
Studie mit Vergleichsgruppe: Die Frauen bekamen zufällig das Mittel oder ein Scheinmittel ohne Wirkstoff. Die Ergebnisse gelten für die jeweils untersuchten Präparate und Mengen und lassen sich nicht auf andere Präparate oder auf Kombinationen mehrerer Pflanzen übertragen.

Für keine dieser Pflanzen gibt es in der EU eine zugelassene Gesundheitsangabe für Lebensmittel.⁠[40] Die Einstufungen „traditionelles Arzneimittel“ und „anerkannt“ stammen aus den Monographien der Europäischen Arzneimittel-Agentur und gelten für zugelassene Arzneimittel, nicht für Nahrungsergänzungsmittel.

Welches pflanzliche Mittel hilft am besten gegen Hitzewallungen?

Die meisten Daten gibt es für Isoflavone aus Soja und Rotklee. In Meta-Analysen kamen Hitzewallungen damit etwas seltener vor als mit einem Scheinmittel.⁠[2]⁠[9] Die Cochrane-Auswertung hält diese Belege aber für nicht schlüssig.⁠[3]

MittelAuswertungErgebnis im Vergleich zum Scheinmittel
Soja-Isoflavone17 Studien, im Mittel 54 mg täglich⁠[2]Hitzewallungen 20,6 % seltener und 26,2 % schwächer⁠[2]
Rotklee-Extrakt8 Studien⁠[9]1,73 Hitzewallungen weniger pro Tag⁠[9]
Phytoöstrogene insgesamt62 Studien mit 6.653 Frauen⁠[7]1,31 Hitzewallungen weniger pro Tag, kein Unterschied beim Nachtschweiß⁠[7]
Phytoöstrogene, Cochrane43 Studien mit 4.364 Frauen⁠[3]kein schlüssiger Beleg, Hinweise bei mehr als 30 mg Genistein täglich⁠[3]
Ginseng3 Studien mit 515 Frauen⁠[16]kleiner Vorteil bei Hitzewallungen, schwache Studien⁠[16]
Traubensilberkerze, Cochrane16 Studien mit 2.027 Frauen⁠[4]kein Unterschied bei der Zahl der Hitzewallungen⁠[4]
Pollenextrakt5 Studien mit 420 Frauen⁠[15]nur Studien mit Vergleichsgruppe: kein eindeutiger Unterschied⁠[15]
Zum Vergleich: HormontherapieStellungnahme der NAMS 2023⁠[1]wirksamste Behandlung von Hitzewallungen⁠[1]
Meta-Analysen und Cochrane-Auswertungen, also Zusammenfassungen vieler Studien. Je nach Auswertung zählen unterschiedliche Studien und Präparate.

Bei Isoflavonen spielt die Menge eine Rolle. Präparate mit mehr als 18,8 mg Genistein senkten die Zahl der Hitzewallungen mehr als doppelt so stark wie Präparate mit weniger.⁠[2] Bei Rotklee zeigte sich ein deutlicherer Unterschied ab 80 mg Isoflavonen täglich und bei Frauen mit mindestens 5 Hitzewallungen am Tag.⁠[9]

Mehr zu Ursachen und Behandlung lesen Sie im Ratgeber Hitzewallungen in den Wechseljahren.

Was sagen Leitlinie und Fachgesellschaften zu pflanzlichen Mitteln?

Nach der deutschen Leitlinie können Isoflavone und Traubensilberkerze bei Hitzewallungen eingesetzt werden, die Nordamerikanische Menopause-Gesellschaft (NAMS) empfiehlt Pflanzenmittel dagegen nicht.⁠[6]⁠[1] Einig sind sich beide, dass die Hormontherapie am besten wirkt.

  • S3-⁠Leitlinie Peri- und Postmenopause: Verhaltenstherapie, Isoflavone und Präparate mit Traubensilberkerze können bei Hitzewallungen eingesetzt werden. Frauen, die pflanzliche Mittel wünschen, sollen erfahren, dass es sehr viele Präparate gibt, deren Sicherheit oft unklar ist, und dass Kombinationen anders wirken und mit Medikamenten wechselwirken können.⁠[6] Eine Neufassung ist in der Konsultation.⁠[8]
  • Gesellschaft für Phytotherapie: In einem Sondervotum zur Leitlinie empfiehlt sie nur zugelassene Arzneimittel mit Traubensilberkerze, nicht zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel.⁠[6]
  • NAMS 2023: Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenmittel sowie Soja-Lebensmittel und Soja-Extrakte werden gegen Hitzewallungen nicht empfohlen. Empfohlen sind unter anderem Verhaltenstherapie, Hypnose, bestimmte Antidepressiva, Gabapentin und Fezolinetant.⁠[1]
  • gesund.bund.de: Der Nutzen pflanzlicher Präparate ist nicht belegt. Am besten untersucht sind Mittel auf Sojabasis, ob sie helfen, ist unklar. Dasselbe gilt für Rotklee und Traubensilberkerze.⁠[5]

Ob eine Hormontherapie für Sie passt, lesen Sie im Ratgeber Hormonersatztherapie oder pflanzlich?.

Pflanzliches Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel: Was ist der Unterschied?

Ein pflanzliches Arzneimittel wird vor dem Verkauf von einer Arzneimittelbehörde geprüft. Ein Nahrungsergänzungsmittel braucht keine Zulassung und darf keine arzneiliche Wirkung haben.⁠[10]⁠[41]

ArtGrundlage und Beispiel
Anerkanntes ArzneimittelWirksamkeit und Sicherheit durch wissenschaftliche Literatur belegt, mindestens 10 Jahre Anwendung in der EU. Die nationale Arzneimittelbehörde prüft den Antrag. Beispiel: Traubensilberkerze bei Hitzewallungen und starkem Schwitzen.⁠[10]
Traditionelles ArzneimittelStudien reichen nicht aus, die Wirkung ist aber plausibel, mit mindestens 30 Jahren sicherer Anwendung, davon 15 in der EU.⁠[30] Beispiel: Salbeiblätter bei übermäßigem Schwitzen.⁠[20]
NahrungsergänzungsmittelKeine Zulassung. Das Produkt wird beim BVL angezeigt, das die Anzeige nur formal auf Vollständigkeit prüft. Die Länder überwachen die Einhaltung der Vorschriften.⁠[41] Beispiel: Kapseln mit Pflanzenextrakten, Isoflavonen oder Vitaminen.

Gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel müssen in der EU zugelassen sein. Für die Pflanzen in diesem Ratgeber gibt es keine zugelassene Angabe.⁠[40] Welche Angaben für Vitamine und Mineralstoffe zugelassen sind, steht im Ratgeber Vitamine und Mineralstoffe in den Wechseljahren.

Helfen Omas Hausmittel gegen Wechseljahresbeschwerden?

Für die meisten Hausmittel gibt es keine guten Studien. Ob bestimmte Lebensmittel die Beschwerden lindern oder verstärken, ist laut gesund.bund.de nicht belegt.⁠[5]

HausmittelWas belegt ist
SalbeiteeAls traditionelles Arzneimittel bei übermäßigem Schwitzen eingestuft: 2 g Salbeiblätter auf 150 ml kochendes Wasser. Bessert sich nach 6 Wochen nichts, rät die EMA zu ärztlichem Rat.⁠[20] Die Studie zu Hitzewallungen nutzte Tabletten, keinen Tee.⁠[18]
Soja in der Küche (Tofu, Sojadrink)In einer Meta-Analyse gingen Soja-Isoflavone aus Essen und Präparaten mit etwas weniger Hitzewallungen einher.⁠[7] Die NAMS empfiehlt Soja-Lebensmittel gegen Hitzewallungen nicht.⁠[1]
LeinsamenIn einer Studie mit 188 Frauen nicht besser als ein Scheinmittel.⁠[38]
NachtkerzenölIn einer Studie mit 56 Frauen kein Vorteil gegenüber einem Scheinmittel.⁠[39]
Kühles Schlafzimmer, leichte Kleidung, kalte Dusche, Ventilator, kaltes GetränkPraktische Tipps des britischen Gesundheitsdienstes.⁠[42] Als Behandlung von Hitzewallungen empfiehlt die NAMS sie nicht, weil die Belege begrenzt oder widersprüchlich sind.⁠[1]
Auslöser meiden: scharfes Essen, Koffein, heiße Getränke, Alkohol, RauchenEbenfalls ein Tipp des britischen Gesundheitsdienstes.⁠[42] Auch dafür sind die Belege laut NAMS begrenzt.⁠[1]

Unabhängig von den Hitzewallungen lohnt sich ein gesunder Alltag: regelmäßig schlafen, ausgewogen essen, Bewegung mit Kraftübungen für die Knochen, wenig Alkohol und kein Rauchen.⁠[42]

Wie sicher sind pflanzliche Mittel? Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Pflanzlich heißt nicht harmlos. Die deutsche Leitlinie weist darauf hin, dass die Sicherheit vieler Präparate unklar ist und Pflanzen mit Medikamenten wechselwirken können.⁠[6] Der britische Gesundheitsdienst rät, vor der Einnahme mit einem Arzt zu sprechen.⁠[42]

  • Johanniskraut kann bei mehr als 1 mg Hyperforin am Tag den Abbau vieler Medikamente beschleunigen, etwa von Gerinnungshemmern, Mitteln nach einer Organtransplantation und einigen Krebs- und HIV-⁠Mitteln. Die Pille schützt dann schlechter vor einer Schwangerschaft. Vor einer geplanten Operation sollten mögliche Wechselwirkungen mit Narkosemitteln geklärt werden.⁠[13]
  • Traubensilberkerze kann die Leber schädigen. Bei Müdigkeit, Appetitlosigkeit, gelber Haut oder Augen, starken Oberbauchschmerzen mit Übelkeit oder dunklem Urin sofort absetzen und ärztlich abklären lassen.⁠[10]
  • Ashwagandha: Das BfR und andere europäische Behörden empfehlen, keine Präparate mit Ashwagandha einzunehmen, vor allem nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei Lebererkrankungen. Es gibt Fallberichte über Leberschäden, die möglicherweise damit zusammenhängen, und Hinweise auf Wechselwirkungen mit Mitteln gegen Diabetes, Bluthochdruck und mit Immunsuppressiva.⁠[25]
  • Nach Brustkrebs: Für Johanniskraut mit Traubensilberkerze sieht der Entwurf der EU-⁠Monographie die Anwendung nur nach ärztlichem Rat vor.⁠[13] In der Cochrane-Auswertung zu Phytoöstrogenen waren Frauen mit Brustkrebs ausgeschlossen.⁠[3]
  • Schwangerschaft: Bis zur letzten Periode ist eine Schwangerschaft möglich. Salbei und Fenchel sind als Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.⁠[20]⁠[27]

Wann sollte ich zum Arzt?

Gehen Sie in die frauenärztliche Praxis, wenn die Beschwerden Ihren Alltag deutlich einschränken. Frauen mit mittelstarken bis starken Beschwerden, die ihre Lebensqualität deutlich einschränken, soll laut Leitlinie eine Hormontherapie angeboten werden.⁠[6] Klären Sie außerdem ab:

  • Sie bluten wieder, nachdem 12 Monate oder länger keine Periode kam.⁠[43]
  • Ihre Blutungen werden stärker statt schwächer, oder Sie haben Herzrasen.⁠[43]
  • Sie haben unter Traubensilberkerze Zeichen eines Leberschadens.⁠[10]
  • Sie nehmen Medikamente, die Pille oder Gerinnungshemmer und möchten ein pflanzliches Mittel dazunehmen.⁠[13]⁠[25]
  • Sie hatten Brustkrebs oder einen anderen hormonabhängigen Tumor.⁠[13]
  • Ein Mittel bringt nach einigen Wochen keine Besserung oder die Beschwerden werden stärker.⁠[20]

Welche dieser Pflanzen stecken in Harmony Balance?

Herausgeber dieses Ratgebers ist die IPD Produktentwicklung und Handel GmbH, die unter der Marke Steiger Naturals das Nahrungsergänzungsmittel Harmony Balance mit 10 Pflanzenextrakten verkauft. Von diesen Pflanzen kommen 8 in der Tabelle oben vor. Die übrigen 8 Pflanzen der Tabelle, darunter Traubensilberkerze, Soja und Rotklee, enthält es nicht.

PflanzeHarmony Balance pro TagesdosisMenge in der Studie
Fenchel450 mg Fenchelsamen-TrockenextraktExtraktverhältnis 10:12 Kapseln mit je 100 mg Fenchel täglich⁠[26]
Maca300 mg Maca-Wurzel-TrockenextraktExtraktverhältnis 25:13,5 g Maca-Pulver täglich⁠[28]
Salbei300 mg Salbei-Blätter-Trockenextraktdavon 7,5 mg Rosmarinsäure280 mg Dickextrakt aus frischem Salbei als Tablette täglich⁠[17]
Amerikanischer Ginseng150 mg Amerikanischer Ginsengwurzel-Trockenextraktdavon 7,5 mg Ginsenosideverschiedene Ginseng-Arten, darunter Koreanischer Roter Ginseng⁠[16]
Ashwagandha120 mg Ashwagandha-Wurzel-Trockenextraktdavon 3 mg Withanolide2-⁠mal täglich 300 mg Wurzelextrakt⁠[21]
Mönchspfeffer99,99 mg Mönchspfeffer-Trockenextraktdavon 0,501 mg Vitexin2-⁠mal täglich 30 mg Extrakt⁠[33]
Rosenwurz63 mg Rhodiola-Wurzel-Trockenextraktdavon 1,89 mg Rosavinenur zusammen mit Traubensilberkerze untersucht⁠[31]
Yamswurzel60 mg Yamswurzel-TrockenextraktExtraktverhältnis 10:1, davon 9,6 mg DiosgeninCreme zum Auftragen, keine Kapseln⁠[37]
Mengen pro Tagesdosis von 3 Kapseln laut Etikett. Die Studien verwendeten andere Präparate und meist andere Mengen. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf Harmony Balance übertragen.

Dazu kommen 100 mg Gymnema-Blatt-Trockenextrakt und 54 mg Rosmarin-Blatt-Trockenextrakt. 3 Kapseln einmal täglich am Vormittag, unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit. Nicht für Schwangere und Stillende geeignet.

Wie sich Harmony Balance in Zusammensetzung, Menge und Preis von anderen pflanzlichen Präparaten unterscheidet, zeigt unser Vergleich von 6 Wechseljahre-Präparaten. Kurzprofile aller Pflanzen finden Sie im Wirkstoff-Lexikon.

Häufige Fragen zu pflanzlichen Mitteln in den Wechseljahren

Welches pflanzliche Mittel hilft am besten gegen Wechseljahresbeschwerden?

Am besten untersucht sind Isoflavone aus Soja. In einer Meta-Analyse von 17 Studien kamen Hitzewallungen damit um 20,6 % seltener vor als mit einem Scheinmittel. Die Cochrane-Auswertung fand für Phytoöstrogene insgesamt aber keinen schlüssigen Beleg. Wirksamer als jedes pflanzliche Mittel ist die Hormontherapie. Ob sie für Sie infrage kommt, klären Sie in der frauenärztlichen Praxis.

Was ist besser, Traubensilberkerze oder Mönchspfeffer?

Für Wechseljahresbeschwerden ist Traubensilberkerze besser untersucht und als Arzneimittel bei Hitzewallungen und starkem Schwitzen anerkannt, auch wenn eine Cochrane-Auswertung keinen Unterschied zu einem Scheinmittel fand. Mönchspfeffer ist als Arzneimittel nur bei Beschwerden vor der Periode anerkannt. In den Wechseljahren fanden zwei kleine Studien mit Mönchspfeffer weniger Beschwerden als mit einem Scheinmittel, zusammen mit Johanniskraut war er in einer Studie nicht besser als ein Scheinmittel.

Was ist besser, Traubensilberkerze oder Rotklee?

Beide sind uneinheitlich belegt. Für Rotklee-Extrakt ergab eine Meta-Analyse von 8 Studien im Schnitt 1,73 Hitzewallungen weniger pro Tag als mit einem Scheinmittel, für Traubensilberkerze fand Cochrane keinen Unterschied. Traubensilberkerze gibt es dafür als anerkanntes Arzneimittel. Die deutsche Leitlinie nennt Isoflavone und Traubensilberkerze als Mittel, die bei Hitzewallungen eingesetzt werden können.

Wie lange dauert es, bis pflanzliche Mittel wirken?

Die meisten Studien liefen 6 bis 12 Wochen, manche bis zu einem Jahr. Bessert sich übermäßiges Schwitzen mit einem Salbei-Arzneimittel nach 6 Wochen nicht, rät die Europäische Arzneimittel-Agentur zu ärztlichem Rat. Traubensilberkerze soll ohne ärztlichen Rat nicht länger als 6 Monate genommen werden.

Darf ich pflanzliche Mittel zusammen mit Medikamenten oder der Pille nehmen?

Fragen Sie vorher in der Praxis oder Apotheke. Johanniskraut kann die Wirkung vieler Medikamente abschwächen, auch die der Pille, und Ashwagandha kann laut BfR mit Mitteln gegen Diabetes und Bluthochdruck wechselwirken. Die deutsche Leitlinie weist darauf hin, dass Kombinationen mehrerer Pflanzen anders wirken und mit Medikamenten wechselwirken können.

Hilft Salbeitee gegen Hitzewallungen?

Salbeiblätter sind als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei übermäßigem Schwitzen eingestuft, auch als Tee mit 2 g Blättern auf 150 ml kochendes Wasser. Diese Einstufung beruht auf langer Anwendung, nicht auf Studien. Die zwei wichtigsten Studien zu Hitzewallungen nutzten Tabletten aus frischem Salbei, keinen Tee. In der Studie mit Vergleichsgruppe gingen die Hitzewallungen bei 80 Frauen in 4 Wochen deutlicher zurück als mit einem Scheinmittel.

Enthalten pflanzliche Mittel Hormone?

Nein. Pflanzliche Mittel enthalten keine Hormone und sind keine Hormontherapie. Isoflavone aus Soja und Rotklee werden zwar Phytoöstrogene genannt, ersetzen aber keine Hormone. Ob eine Hormontherapie für Sie infrage kommt, klären Sie in der frauenärztlichen Praxis.

Quellen

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Stand: 21. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.