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Abnehmen in den Wechseljahren: Was nachweislich funktioniert
Kurz gesagt
Frauen nehmen in der Lebensmitte meist etwas zu, in einer US-Studie im Schnitt 2,25 kg in 3 Jahren, egal ob die Periode noch kam oder nicht.[1] Beim Abnehmen wirkt die Kombination am besten: Frauen nach der Menopause verloren mit weniger Kalorien und mehr Bewegung in einem Jahr 10,8 % ihres Gewichts, mit Bewegung allein 2,4 %.[2]
Warum nehme ich in den Wechseljahren zu?
Vor allem, weil sich mit dem Alter der Energiebedarf ändert und sich viele Frauen weniger bewegen. Die Wechseljahre selbst lassen das Gewicht kaum steigen, sie verschieben aber Fett zum Bauch.[3]
In einer US-Langzeitstudie mit 485 Frauen nahmen die Frauen in 3 Jahren im Schnitt 2,25 kg zu. Jede fünfte Frau legte 4,5 kg oder mehr zu. Frauen, die in dieser Zeit in die Menopause kamen, nahmen nicht deutlich mehr zu als Frauen, deren Periode noch regelmäßig kam.[1] Auch in der großen US-Studie SWAN stieg das Gewicht mit den Wechseljahren nicht schneller als davor. Dafür nahm das Fett schneller zu und die Muskelmasse ab.[4] Warum sich das Fett dabei vor allem am Bauch sammelt, erklärt unser Ratgeber zum Hormonbauch.
Wie viel Energie eine Frau im Schnitt braucht, hängt von Alter und Bewegung ab:
| Körperliche Aktivität | Frauen 25 bis 50 Jahre | Frauen 51 bis 64 Jahre |
|---|---|---|
| wenig (PAL 1,4) | 1.800 kcal pro Tag | 1.700 kcal pro Tag |
| mittel (PAL 1,6) | 2.100 kcal pro Tag | 2.000 kcal pro Tag |
| viel (PAL 1,8) | 2.400 kcal pro Tag | 2.200 kcal pro Tag |
Das heißt: Wer mit 52 genauso isst wie mit 42, kann allmählich zunehmen, auch ohne die Wechseljahre. Am Stoffwechsel allein liegt es dabei weniger, als viele denken. Bezogen auf die fettfreie Körpermasse, also Muskeln, Organe und Knochen, bleibt der Energieverbrauch zwischen 20 und 60 Jahren stabil. Wer Muskeln verliert, verbraucht insgesamt aber weniger.[6]
Warum ist Abnehmen in den Wechseljahren so schwer?
Weil mehrere Dinge gleichzeitig gegen Sie arbeiten. Nach den Studien sind das vor allem diese:
- Muskeln gehen verloren: Mit Beginn der Wechseljahre nimmt die Muskelmasse ab, bis etwa 2 Jahre nach der letzten Periode.[4]
- Der Körper verbraucht weniger: In einer Studie mit 156 Frauen sank der Energieverbrauch im Schlaf bei Frauen, die in die Menopause kamen, um 7,9 %, bei Frauen ohne Menopause um 5,3 %. Die Fettverbrennung ging bei ihnen um 32 % zurück.[7]
- Weniger Bewegung: Schon 2 Jahre vor der Menopause bewegten sich die Frauen in derselben Studie deutlich weniger.[7]
- Schlechter Schlaf: Ein- und Durchschlafprobleme sind in den Wechseljahren häufig.[8] Stress und Schlafmangel können eine Gewichtszunahme begünstigen.[9]
Die gute Nachricht: An fast allem davon können Sie etwas ändern, wie die folgenden Abschnitte zeigen.
Was funktioniert beim Abnehmen nachweislich?
Weniger Kalorien zusammen mit mehr Bewegung. Das zeigt eine Studie mit 439 Frauen nach der Menopause, die ein Jahr lang in 4 Gruppen eingeteilt wurden:[2]
| Gruppe | Was die Frauen taten | Gewicht nach 12 Monaten |
|---|---|---|
| Ohne Änderung | Alltag wie bisher | -0,8 % |
| Bewegung | Ausdauertraining mit mittlerer Anstrengung, langsam gesteigert auf 45 Minuten an 5 Tagen pro Woche | -2,4 % |
| Ernährung | Fettarme Kost mit weniger Kalorien, begleitet in einer Gruppe, Ziel mindestens 10 % weniger Gewicht | -8,5 % |
| Beides | Ernährung und Bewegung wie oben zusammen | -10,8 % |
Für eine Frau mit 80 kg bedeuten 10,8 % rund 8,6 kg in einem Jahr. Entscheidend ist, was Sie auf Dauer durchhalten: Verbote und radikale Umstellungen von einem Tag auf den anderen führen laut gesund.bund.de oft zu Rückfällen und zum Jo-Jo-Effekt.[9]
Welche Ernährung hilft beim Abnehmen in den Wechseljahren?
Eine, die etwas weniger Kalorien liefert und trotzdem satt macht. In der Studie mit 439 Frauen genügte dafür eine fettarme Kost mit weniger Kalorien.[2]
gesund.bund.de nennt diese Schritte für eine gesunde Gewichtsabnahme:[9]
- Frisch kochen, mit viel Gemüse und ballaststoffreichen Zutaten wie Vollkorn und Hülsenfrüchten. Sie sättigen länger.
- Weniger Zucker, ungesunde Fette, Fast Food, Weißbrot und Fertiggerichte.
- Wasser oder ungesüßten Tee statt Limonade, Saft und Alkohol, denn süße Getränke und Alkohol fördern die Gewichtszunahme.
- Kleinere Portionen, und Süßes oder fettige Snacks durch Obst, Gemüse, Nüsse oder Vollkorn ersetzen.
- Ein Ernährungstagebuch führen, um die eigenen Gewohnheiten zu erkennen.
Zum Alkohol rät auch der NHS in den Wechseljahren, nicht mehr als die empfohlene Menge zu trinken, weil er die Beschwerden beeinflussen kann.[10]
Achten Sie beim Abnehmen darauf, genug Eiweiß zu essen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Frauen zwischen 51 und 64 Jahren 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, ab 65 Jahren 1,0 g.[11] Bei 70 kg sind das 56 g am Tag, etwa aus Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch, Eiern oder Fleisch. Zu Heißhunger und schwankendem Blutzucker in den Wechseljahren gibt es einen eigenen Beitrag im Shop von Steiger Naturals.
Warum ist Muskelaufbau in den Wechseljahren so wichtig?
Weil mit den Wechseljahren Muskelmasse verloren geht und ein Körper mit weniger Muskeln weniger Energie verbraucht.[4][6] Krafttraining wirkt dem entgegen.
In einer Meta-Analyse von 26 Studien mit 745 Frauen zwischen 50 und 80 Jahren nahm die Muskelmasse durch Krafttraining zu, meist mit 3 Trainings pro Woche über rund 16 Wochen. Beim Fett zeigte Krafttraining allein keinen deutlichen Effekt.[12] Beim Abnehmen schützt Krafttraining die Muskeln: In einer Studie mit 160 älteren Erwachsenen mit starkem Übergewicht nahmen alle Gruppen mit Abnehmprogramm und Bewegung 9 % ab. Mit Kraftübungen gingen dabei nur 2 bis 3 % Muskelmasse verloren, mit reinem Ausdauertraining 5 %. Auch die Knochendichte an der Hüfte sank mit Kraftübungen weniger.[13]
Die WHO empfiehlt Kraftübungen für alle großen Muskelgruppen an 2 oder mehr Tagen pro Woche.[14] Übungen, bei denen Beine und Füße das Körpergewicht tragen, und Übungen mit Gewichten helfen laut NHS zusätzlich, die Knochen zu schützen.[10] Zu viel abnehmen ist dabei auch nicht gut: Die deutsche Leitlinie rät, einen BMI unter 20 zu vermeiden, weil dann das Risiko für Knochenbrüche steigt.[15]
Wie viel Bewegung brauche ich zum Abnehmen?
Mindestens 150 Minuten pro Woche mit mittlerer Anstrengung, und mehr hilft mehr. Die WHO empfiehlt 150 bis 300 Minuten.[14] In einer Studie mit 400 Frauen nach der Menopause verloren die Frauen mit 300 Minuten pro Woche mehr Körperfett als mit 150 Minuten.[16]
So kann eine Woche aussehen:
| Tag | Was | Dauer |
|---|---|---|
| Montag | Zügig gehen | 45 Minuten |
| Dienstag | Kraftübungen für Beine, Po, Rücken, Bauch und Arme | 30 Minuten |
| Mittwoch | Radfahren | 45 Minuten |
| Donnerstag | Pause oder Spaziergang | nach Lust |
| Freitag | Kraftübungen wie am Dienstag | 30 Minuten |
| Samstag | Wandern oder Schwimmen | 60 Minuten |
| Sonntag | Pause | - |
Auch Alltagsbewegung zählt: Treppe statt Aufzug, Fahrrad statt Auto, eine Haltestelle früher aussteigen. Als Faustregel nennt gesund.bund.de 10.000 Schritte am Tag.[9]
Welche Rolle spielt der Schlaf beim Abnehmen?
Schlaf und Gewicht hängen zusammen. In einer Beobachtungsstudie mit 68.183 Frauen nahmen Frauen, die 5 Stunden oder weniger schliefen, in 16 Jahren 1,14 kg mehr zu als Frauen mit 7 Stunden Schlaf. Ihr Risiko, stark übergewichtig zu werden, war um 15 % höher.[17]
Eine Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis. Trotzdem lohnt es sich, Schlafproblemen nachzugehen, zumal sie in den Wechseljahren häufig sind.[8] Was hilft, lesen Sie unter Schlafstörungen in den Wechseljahren und, wenn Hitzewallungen Sie wecken, unter Nachtschweiß und Hitzewallungen in der Nacht.
Macht eine Hormontherapie dick?
Das zeigen die Studien nicht. Eine Cochrane-Auswertung von 22 Studien fand bei Frauen mit Hormontherapie keine stärkere Gewichtszunahme als bei Frauen ohne.[18]
Die Auswertung ist älter, ihre Suche endete 1998. Eine Übersicht der Internationalen Menopause-Gesellschaft fand Hinweise, dass eine Östrogentherapie die Zunahme von Bauchfett teilweise verhindern kann, für Empfehlungen reichen die Studien aber nicht.[3] Die deutsche Leitlinie empfiehlt eine Hormontherapie, wenn mittelstarke bis starke Wechseljahresbeschwerden die Lebensqualität einschränken.[15] Ob sie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.[19] Mehr dazu im Ratgeber Hormonersatztherapie oder pflanzlich?
Helfen Abnehmspritzen, Tabletten oder Kapseln?
Bei starkem Übergewicht gibt es Medikamente auf Rezept, die nachweislich beim Abnehmen helfen. Für Schlankheitsmittel aus dem Internet gilt das nicht.[20][21]
Ein Beispiel ist der Wirkstoff Semaglutid, der einmal pro Woche gespritzt wird. In der Studie STEP 1 mit 1.961 Erwachsenen bekamen alle eine Beratung zum Lebensstil. Wer zusätzlich Semaglutid spritzte, verlor in 68 Wochen 14,9 % seines Gewichts, mit einem Scheinmittel waren es 2,4 %. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit und Durchfall, meist vorübergehend.[20] In der EU ist das Mittel für Erwachsene mit einem BMI ab 30 zugelassen, oder ab 27, wenn gewichtsbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes hinzukommen, und nur auf Rezept erhältlich.[22] Ob es für Sie infrage kommt, entscheiden Sie mit Ihrem Arzt.
Von Schlankheitsmitteln aus dem Internet rät die Verbraucherzentrale ab: Sie sind wenig wirksam und enthalten oft nicht deklarierte, gesundheitsschädliche Stoffe, und Versprechen wie 4 kg pro Woche sind unrealistisch und gesetzlich verboten. Ein Wundermittel gibt es nicht.[21] Jedes Nahrungsergänzungsmittel muss außerdem den Hinweis tragen, dass es nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden soll.[23]
Wann sollte ich zum Arzt?
Sprechen Sie Ihr Gewicht in der hausärztlichen oder frauenärztlichen Praxis an, wenn eines davon zutrifft:
- Sie nehmen zu und sind zugleich müde und antriebslos, frieren schnell oder haben Verstopfung. Das kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen, die sich mit einem Bluttest feststellen lässt.[24]
- Sie haben zugenommen, seit Sie ein neues Medikament nehmen. Manche Mittel, etwa einige Psychopharmaka oder Medikamente gegen Diabetes, können eine Gewichtszunahme begünstigen.[9] Setzen Sie es nicht eigenmächtig ab.
- Ihr BMI liegt bei 30 oder höher, oder bei 27 oder höher zusammen mit Bluthochdruck oder Diabetes. Dann kommen auch ärztliche Behandlungen infrage.[22]
- Sie schaffen es allein nicht. Unterstützung gibt es in der ärztlichen Praxis, in einer Ernährungsberatung und in Selbsthilfegruppen.[9]
Häufige Fragen zum Abnehmen in den Wechseljahren
Wie viel Gewichtszunahme ist in den Wechseljahren normal?
In einer US-Studie mit 485 Frauen zwischen 42 und 50 Jahren nahmen die Frauen in 3 Jahren im Schnitt 2,25 kg zu. Jede fünfte Frau legte 4,5 kg oder mehr zu, nur 3 % nahmen so viel ab. Ob die Periode noch kam oder schon ausblieb, machte dabei keinen deutlichen Unterschied.
Wie schnell kann ich in den Wechseljahren abnehmen?
Das ist sehr verschieden. In einer Studie verloren Frauen nach der Menopause mit weniger Kalorien und Bewegung in 12 Monaten im Schnitt 10,8 % ihres Gewichts, bei 80 kg also rund 8,6 kg. Von Crash-Diäten rät gesund.bund.de ab, und Versprechen wie 4 kg pro Woche sind laut Verbraucherzentrale unrealistisch.
Wie viele Kalorien braucht eine Frau ab 50?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Frauen von 51 bis 64 Jahren Richtwerte von 1.700 kcal bei wenig, 2.000 kcal bei mittlerer und 2.200 kcal bei viel körperlicher Aktivität. Das sind 100 bis 200 kcal weniger als zwischen 25 und 50 Jahren. Bei Übergewicht muss der Wert angepasst werden, entscheidend ist der Verlauf des Gewichts.
Was darf man in den Wechseljahren nicht essen?
Verbotene Lebensmittel gibt es nicht. Wer abnehmen möchte, spart am leichtesten bei Zucker, Fast Food, Fertiggerichten und süßen Getränken, und Alkohol fördert die Gewichtszunahme. Der NHS rät außerdem, nicht mehr Alkohol als empfohlen zu trinken, weil er Wechseljahresbeschwerden beeinflussen kann.
Macht eine Hormontherapie dick?
Das zeigen die Studien nicht. Eine Cochrane-Auswertung von 22 Studien fand bei Frauen mit Hormontherapie keine stärkere Gewichtszunahme als ohne. Die Auswertung ist älter, die Suche endete 1998. Ob eine Hormontherapie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.
Hilft Krafttraining beim Abnehmen in den Wechseljahren?
Krafttraining baut vor allem Muskeln auf: In einer Auswertung von 26 Studien nahm bei Frauen nach der Menopause die Muskelmasse zu, beim Fett zeigte Krafttraining allein keinen deutlichen Effekt. Beim Abnehmen schützt es aber die Muskeln. In einer Studie mit älteren Erwachsenen verloren die Gruppen mit Kraftübungen beim Abnehmen nur 2 bis 3 % Muskelmasse, mit reinem Ausdauertraining 5 %.
Wird der Stoffwechsel in den Wechseljahren langsamer?
Nicht so stark, wie oft gesagt wird. Bezogen auf die fettfreie Körpermasse bleibt der Energieverbrauch zwischen 20 und 60 Jahren stabil. In einer kleineren Studie sank der Energieverbrauch im Schlaf bei Frauen, die in die Menopause kamen, aber stärker als bei gleichaltrigen Frauen ohne Menopause. Wer Muskeln verliert, verbraucht insgesamt weniger.
Quellen
- Wing RR, Matthews KA, Kuller LH, Meilahn EN, Plantinga PL. Weight gain at the time of menopause. Arch Intern Med. 1991;151(1):97‑102. Langzeitstudie mit 485 Frauen aus Pittsburgh (USA), zu Beginn 42 bis 50 Jahre alt. Quelle öffnen
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- Davis SR, Castelo-Branco C, Chedraui P, Lumsden MA, Nappi RE, Shah D et al. Understanding weight gain at menopause. Climacteric. 2012;15(5):419‑429. Übersichtsarbeit der Internationalen Menopause-Gesellschaft (IMS). Quelle öffnen
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Stand: 21. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.