Wirkstoffe
Ashwagandha in den Wechseljahren: Studienlage zu Hitzewallungen und Schlaf
Kurz gesagt
Zu Ashwagandha in den Wechseljahren gibt es einige kleine Studien aus Indien. In einer Studie mit 100 Frauen in der Perimenopause sank der Beschwerde-Wert mit 2-mal täglich 300 mg Wurzelextrakt stärker als mit einem Scheinmittel.[1] Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält beworbene Wirkungen für nicht belegt, warnt vor möglichen Leberschäden und empfiehlt wie andere europäische Behörden, keine Ashwagandha-Präparate einzunehmen.[2]
| Pflanze | Ashwagandha, auch Schlafbeere oder Winterkirsche (Withania somnifera), verwendet wird vor allem die Wurzel[2] |
| Studienlage Wechseljahre | HinweiseVier kleine Studien aus Indien mit Nutzen, keine Bestätigung aus anderen Ländern |
| Sicherheit laut BfR | BfR und andere europäische Behörden empfehlen, keine Präparate einzunehmen. Fallberichte über Leberschäden[2] |
| Nicht empfohlen | für Kinder, Schwangere, Stillende und bei Lebererkrankungen[2] |
| In Harmony Balance | ja, 120 mg Wurzel-Trockenextrakt pro Tagesdosis, davon 3 mg Withanolide |
Was ist Ashwagandha?
Ashwagandha (Withania somnifera), auf Deutsch auch Schlafbeere, Winterkirsche oder indischer Ginseng, stammt aus der ayurvedischen Medizin. Verwendet wird vor allem die Wurzel.[2]
Als wirksam gelten vor allem die Withanolide und Alkaloide. Welche Stoffe in welcher Menge für die in Studien berichteten Wirkungen verantwortlich sind, ist laut BfR aber nicht geklärt. Art und Menge der Inhaltsstoffe unterscheiden sich zwischen Präparaten stark, je nach Pflanzenteil und Herstellung.[2]
Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt und keine Krankheit. Gegen belastende Hitzewallungen ist die Hormontherapie die wirksamste Behandlung.[3][4] Ashwagandha ersetzt keine Hormone.
Hilft Ashwagandha in den Wechseljahren?
Vier kleine Studien zeigen bessere Beschwerde-Werte als mit einem Scheinmittel.[1][5][6][7] Alle stammen aus Indien. Studien aus anderen Ländern haben wir auf PubMed nicht gefunden (Suche am 24.10.2026).
| Studie | Wer, wie lange, wie viel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gopal 2021Perimenopause | Doppelblind mit Vergleichsgruppe: 100 Frauen, 8 Wochen lang 2-mal täglich 300 mg Wurzelextrakt[1] | Beschwerde-Wert (Menopause Rating Scale) und Lebensqualität besser als mit Scheinmittel, in allen drei Bereichen des Beschwerde-Werts. 91 Frauen beendeten die Studie.[1] |
| Vani 202545 bis 55 Jahre | Doppelblind mit Vergleichsgruppe: 60 Frauen, 56 Tage lang 2-mal täglich 300 mg Wurzelextrakt[5] | Beschwerde-Wert stärker gesunken als mit Scheinmittel, in allen drei Bereichen.[5] |
| Obhrai 2026nach der Menopause | Doppelblind mit Vergleichsgruppe: 66 Frauen, 12 Wochen lang 600 mg Wurzelextrakt täglich[6] | Beschwerde-Wert minus 8,1 Punkte, mit Scheinmittel minus 1,2. Schlafqualität deutlich besser.[6] |
| Pingali 2025nach der Menopause | Doppelblind mit Vergleichsgruppe: 127 Frauen von 40 bis 55 Jahren in 6 Gruppen mit je rund 20 Frauen, 24 Wochen lang 250 oder 500 mg wässriger Extrakt täglich, in einer Gruppe zusammen mit Shatavari[7] | Beschwerden laut Fragebogen weniger als mit Scheinmittel, mit der höheren Menge stärker.[7] |
Das BfR bewertet die Studienlage zurückhaltender: Die von Herstellern versprochenen positiven Wirkungen seien wissenschaftlich nicht belegt.[2] Die Nordamerikanische Menopause-Gesellschaft empfiehlt pflanzliche Mittel gegen Hitzewallungen nicht.[4] Ob eine Hormontherapie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.[8]
Hilft Ashwagandha bei Hitzewallungen?
Gezielt gemessen wurde das selten, und die Ergebnisse sind schwach. In zwei Studien besserten sich die körperlichen Beschwerden, zu denen Hitzewallungen zählen, stärker als mit einem Scheinmittel.[1][5]
In der Studie von 2025 kamen Hitzewallungen in der Ashwagandha-Gruppe seltener vor als in der Vergleichsgruppe. Gegenüber dem Studienbeginn gingen sie aber in keiner der beiden Gruppen deutlich zurück.[5] Was gegen Hitzewallungen sonst hilft, lesen Sie unter Hitzewallungen in den Wechseljahren.
Hilft Ashwagandha beim Schlafen?
Eine Meta-Analyse von 5 Studien mit 400 Erwachsenen fand einen kleinen Effekt auf den Schlaf. Er war deutlicher bei Menschen mit Schlafstörungen, ab 600 mg täglich und ab 8 Wochen Einnahme.[9]
In der Studie mit 66 Frauen nach der Menopause verbesserte sich die Schlafqualität mit Ashwagandha deutlich stärker als mit dem Scheinmittel.[6] Die Autoren der Meta-Analyse betonen aber, dass Daten zu ernsten Nebenwirkungen fehlen und die Sicherheit einer langfristigen Einnahme offen ist.[9] Das BfR nennt besseres Einschlafen ausdrücklich unter den beworbenen, aber nicht belegten Wirkungen.[2]
Was bei Schlafproblemen in den Wechseljahren hilft, lesen Sie unter Schlafstörungen in den Wechseljahren.
Welche Menge Ashwagandha wurde in den Studien eingesetzt?
Meist 600 mg Wurzelextrakt pro Tag.[1][5][6] Einen Richtwert für eine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt es laut BfR nicht.[2]
| Studie oder Präparat | Ashwagandha pro Tag |
|---|---|
| Gopal 2021, Perimenopause | 600 mg Wurzelextrakt (2-mal 300 mg)[1] |
| Vani 2025, Wechseljahre | 600 mg Wurzelextrakt (2-mal 300 mg)mehr als 5 % Withanolide laut Studie[5] |
| Obhrai 2026, nach der Menopause | 600 mg Wurzelextrakt[6] |
| Pingali 2025, nach der Menopause | 250 oder 500 mg wässriger Extrakt[7] |
| Meta-Analyse zum Schlaf | deutlicherer Effekt ab 600 mg[9] |
| Steiger Naturals Harmony Balance | 120 mg Wurzel-Trockenextraktdavon 3 mg Withanolide, laut Etikett |
| LEAF Organics Harmony Balance | 150 mg Ashwagandha-Extraktlaut Hersteller[10] |
Ist Ashwagandha sicher? Was das BfR sagt
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und andere europäische Behörden empfehlen, keine Präparate mit Ashwagandha einzunehmen.[2] Ausdrücklich nennt das BfR Kinder, Schwangere, Stillende und Menschen mit einer bestehenden oder früheren Erkrankung der Leber.[2]
Die wichtigsten Punkte aus der Mitteilung des BfR vom September 2024:[2]
- Nicht gut untersucht: Die gesundheitlichen Risiken sind bisher nicht gut untersucht. Studien haben vor allem einen möglichen Nutzen geprüft, unerwünschte Wirkungen aber nicht systematisch erfasst.[2]
- Berichtete Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge.[2]
- Immun- und Hormonsystem: Es gibt Hinweise, dass die Präparate das Immunsystem und das Hormonsystem beeinflussen können, etwa den Blutzucker und die Schilddrüse.[2]
- Leber: Fallberichte über Leberschäden, auch über akutes Leberversagen, geben Anlass zu besonderer Vorsicht.[2]
- Keine sichere Menge: Ein Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahme lässt sich derzeit nicht ableiten, die Folgen langer Einnahme sind kaum untersucht.[2]
Das BfR stützt sich auch auf Bewertungen aus Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Australien. Auf dieser Grundlage und wegen der Fallberichte empfehlen das BfR und andere europäische Behörden laut Mitteilung, keine Präparate mit Ashwagandha einzunehmen, vor allem nicht in Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern.[2]
Ashwagandha und die Leber
Leberschäden durch Ashwagandha sind selten, aber dokumentiert. In einer Fallserie aus Island und den USA mit 5 Betroffenen traten nach 2 bis 12 Wochen Gelbsucht, Übelkeit, Müdigkeit, Juckreiz und Bauchbeschwerden auf.[11]
Bei allen 5 Betroffenen kam es nicht zum Leberversagen, die Leberwerte normalisierten sich bei 4 von ihnen nach 1 bis 5 Monaten.[11] Das BfR nennt aber auch Fälle von akutem Leberversagen.[2] Menschen mit Lebererkrankungen scheinen besonders empfindlich zu reagieren.[2]
Wechselwirkungen: Wann Sie vorher ärztlichen Rat brauchen
Laut BfR gibt es Hinweise auf Wechselwirkungen mit Medikamenten gegen Diabetes, gegen Bluthochdruck und mit Mitteln, die das Immunsystem unterdrücken. Wer solche Arzneimittel nimmt, sollte vor der Einnahme ärztlich nachfragen.[2]
Wegen möglicher Effekte auf die Schilddrüse hatte das BfR schon 2012 Bedenken geäußert.[2] Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben, sprechen Sie Ashwagandha deshalb vorher an. Allgemein gilt: Pflanzliche Mittel und ihre Kombinationen können mit Medikamenten wechselwirken.[3]
Wann sollte ich zum Arzt?
- Sie bemerken Gelbfärbung von Haut oder Augen, Juckreiz, Übelkeit, starke Müdigkeit oder Bauchbeschwerden. Setzen Sie Ashwagandha dann ab und lassen Sie die Leber prüfen.[11]
- Sie nehmen Medikamente gegen Diabetes, Bluthochdruck oder zur Unterdrückung des Immunsystems.[2]
- Sie haben eine Lebererkrankung, jetzt oder früher.[2]
- Ihre Wechseljahresbeschwerden schränken Ihre Lebensqualität deutlich ein. Dann soll Ihnen laut Leitlinie eine Hormontherapie angeboten werden.[3]
Steckt Ashwagandha in Harmony Balance?
Ja. Eine Tagesdosis von 3 Kapseln Harmony Balance enthält 120 mg Ashwagandha-Wurzel-Trockenextrakt, davon 3 mg Withanolide. Das ist ein Fünftel der Menge aus den meisten Studien oben.
Herausgeber dieses Ratgebers ist die IPD Produktentwicklung und Handel GmbH, die unter der Marke Steiger Naturals das Nahrungsergänzungsmittel Harmony Balance verkauft. Es enthält 10 Pflanzenextrakte, darunter Salbei, Mönchspfeffer und Maca. Die Studien oben gelten für die jeweils untersuchten Extrakte und Mengen und lassen sich nicht auf Harmony Balance übertragen.
Nicht für Schwangere und Stillende geeignet. Bei einer Lebererkrankung oder wenn Sie Medikamente nehmen, besprechen Sie die Einnahme von Präparaten mit Ashwagandha vorher ärztlich. Das gilt auch für Harmony Balance.[2] Für Ashwagandha gibt es in der EU keine zugelassene Gesundheitsangabe für Lebensmittel.[12]
Wie sich Harmony Balance in Zusammensetzung, Menge und Preis von anderen Präparaten unterscheidet, zeigt unser Test von 6 Wechseljahre-Präparaten.
Häufige Fragen zu Ashwagandha in den Wechseljahren
Hilft Ashwagandha bei Hitzewallungen?
Gezielt gemessen wurde das selten. In zwei kleinen Studien aus Indien besserten sich die körperlichen Wechseljahresbeschwerden, zu denen Hitzewallungen zählen, stärker als mit einem Scheinmittel. In einer davon kamen Hitzewallungen seltener vor als mit Scheinmittel, gingen aber in keiner Gruppe gegenüber dem Studienbeginn deutlich zurück.
Wie viel Ashwagandha am Tag wurde in den Studien eingesetzt?
Meist 600 mg Wurzelextrakt pro Tag, aufgeteilt auf 2-mal 300 mg. Eine Studie verglich 250 und 500 mg. Einen Richtwert für eine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt es laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht.
Ist Ashwagandha gefährlich für die Leber?
Selten kann Ashwagandha die Leber schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet von Fallberichten über Leberschäden bis hin zu akutem Leberversagen. In einer Fallserie traten Gelbsucht, Übelkeit, Müdigkeit und Juckreiz 2 bis 12 Wochen nach Beginn der Einnahme auf.
Wer sollte kein Ashwagandha nehmen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung und andere europäische Behörden empfehlen, keine Präparate mit Ashwagandha einzunehmen, vor allem nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung. Wer Medikamente gegen Diabetes, Bluthochdruck oder zur Unterdrückung des Immunsystems nimmt, sollte vorher ärztlich nachfragen.
Kann Ashwagandha die Schilddrüse beeinflussen?
Es gibt Hinweise darauf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt mögliche Effekte auf die Schilddrüse und hatte schon 2012 deshalb Bedenken geäußert. Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben oder Schilddrüsenhormone nehmen, besprechen Sie Ashwagandha vorher ärztlich.
Wie lange darf man Ashwagandha nehmen?
Dazu gibt es keine verlässliche Angabe. Die Studien in den Wechseljahren liefen 8 Wochen bis 24 Wochen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sind die Folgen einer langfristigen Einnahme bisher nur unzureichend untersucht.
Quellen
- Gopal S, Ajgaonkar A, Kanchi P, Kaundinya A, Thakare V, Chauhan S et al. Effect of an ashwagandha (Withania somnifera) root extract on climacteric symptoms in women during perimenopause: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Obstet Gynaecol Res. 2021;47(12):4414‑4425. Studie aus Indien. Quelle öffnen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken. Mitteilung 039/2024 vom 10.09.2024. Quelle öffnen
- Ortmann O, Beckermann MJ, Inwald EC, Strowitzki T, Windler E, Tempfer C. Peri- and postmenopause: diagnosis and interventions. Interdisciplinary S3 guideline of the association of the scientific medical societies in Germany (AWMF 015/062): short version. Arch Gynecol Obstet. 2020;302(3):763‑777. Englische Kurzfassung der S3-Leitlinie, Fassung 2020. Quelle öffnen
- The North American Menopause Society (NAMS). The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2023;30(6):573‑590. Quelle öffnen
- Vani I, Muralidhar G, Rao BS. A prospective, randomized, double-blind, placebo-controlled study on efficacy and safety of Ashwagandha root extract (Withania somnifera) for managing menopausal symptoms in women. Front Reprod Health. 2025;7:1647721. Studie aus Indien, Extrakt vom Hersteller gestellt. Quelle öffnen
- Obhrai S, Shenoy S, Arora M. Effects of Withania somnifera root extract on sleep quality, body composition, and menopausal symptoms in postmenopausal women: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Menopause. Online vor dem Druck am 15.09.2026. Studie aus Indien. Quelle öffnen
- Pingali U, Nutalapati C, Wang Y. Ashwagandha and Shatavari extracts dose-dependently reduce menopause symptoms, vascular dysfunction, and bone resorption in postmenopausal women: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Menopausal Med. 2025;31(1):21‑34. Studie aus Indien. Quelle öffnen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015‑062, Fassung September 2020, eine Neufassung ist in der Konsultation (Stand Oktober 2026). Quelle öffnen
- Cheah KL, Norhayati MN, Husniati Yaacob L, Abdul Rahman R. Effect of Ashwagandha (Withania somnifera) extract on sleep: a systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2021;16(9):e0257843. Quelle öffnen
- LEAF Organics: HARMONY BALANCE, Produktseite mit Nährwerttabelle, abgerufen am 21.10.2026. Quelle öffnen
- Björnsson HK, Björnsson ES, Avula B, Khan IA, Jonasson JG, Ghabril M et al. Ashwagandha-induced liver injury: a case series from Iceland and the US Drug-Induced Liver Injury Network. Liver Int. 2020;40(4):825‑829. Quelle öffnen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. Quelle öffnen
Stand: 21. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.