Wechseljahre-Wegweiser

Beschwerden

Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Ursachen und was hilft

Kurz gesagt

Gelenk- und Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. In einer Auswertung von 37 Studien mit 93.021 Frauen hatten 57 % der Frauen in der Perimenopause solche Schmerzen, vor den Wechseljahren 40 %.⁠[1] Bei Arthrose helfen nachweislich Bewegung und bei Übergewicht Abnehmen.⁠[2]⁠[3] Warme, geschwollene Gelenke gehören in ärztliche Hände.⁠[4]

Können die Wechseljahre Gelenkschmerzen verursachen?

Gelenk- und Muskelschmerzen treten in den Wechseljahren deutlich häufiger auf.⁠[1] Der britische Gesundheitsdienst NHS und die britische Leitlinie NICE zählen sie zu den typischen Beschwerden der Wechseljahre.⁠[5]⁠[6]

Die Wechseljahre selbst sind ein natürlicher Lebensabschnitt und keine Krankheit.⁠[7] Ob die sinkenden Hormone die Schmerzen direkt auslösen, ist nicht bewiesen. Eine Übersichtsarbeit beschreibt den Zusammenhang als stark, einen ursächlichen Beleg gibt es aber noch nicht.⁠[8] Eine neuere Übersicht sieht zunehmend überzeugende Hinweise, dass Veränderungen der Geschlechtshormone die Neigung zu Muskel- und Gelenkschmerzen beeinflussen.⁠[9]

Wie häufig sind Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Mehr als jede zweite Frau hat in und nach den Wechseljahren Muskel- oder Gelenkschmerzen. Vor den Wechseljahren sind es 4 von 10.⁠[1]

PhaseFrauen mit Muskel- oder GelenkschmerzenIm Vergleich zu vorher
Vor den Wechseljahren40 %Ausgangswert
Perimenopause57 %1,35-⁠faches Risiko
Nach der Menopause59 %1,40-⁠faches Risiko
Meta-Analyse von 37 Beobachtungsstudien aus 22 Ländern mit 93.021 Frauen. Die Ergebnisse der einzelnen Studien gingen stark auseinander.⁠[1]

Eine zweite Auswertung von 16 Studien kam für die Perimenopause sogar auf 71 %. Mittelstarke bis starke Schmerzen hatten Frauen nach der Menopause häufiger als Frauen vor den Wechseljahren.⁠[10]

Welche Gelenke schmerzen in den Wechseljahren besonders?

Das ist verschieden, große Studien haben die einzelnen Gelenke kaum getrennt erfasst.⁠[1] Auffällig sind vor allem diese Bereiche:

Können Gelenkschmerzen ein Zeichen für Osteoporose sein?

Meist nicht. Osteoporose macht sich oft erst bemerkbar, wenn ein Knochen bricht. Brüche an den Wirbelkörpern können Rückenschmerzen auslösen, viele Menschen bemerken sie aber gar nicht.⁠[14]

Für Frauen ist das Thema trotzdem wichtig: Bis zu den Wechseljahren bremsen Östrogene den Knochenabbau. Ab etwa 50 geht dieser Schutz verloren, und die Knochen werden schneller abgebaut. Bewegung stärkt Knochen und Muskeln und verbessert das Gleichgewicht, das schützt vor Stürzen.⁠[14] Was sich nach der letzten Periode sonst verändert, lesen Sie im Ratgeber zur Postmenopause.

Wechseljahre, Arthrose oder Rheuma: Wie unterscheide ich das?

An der Art der Beschwerden. Arthrose schmerzt zuerst bei Belastung, Rheuma macht warme, geschwollene Gelenke und lange Morgensteifigkeit.⁠[12]⁠[4] Sicher unterscheiden kann das nur eine ärztliche Untersuchung.

Mögliche UrsacheTypische Zeichen
WechseljahreMuskel- und Gelenkschmerzen, oft zusammen mit anderen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafproblemen oder Stimmungsschwankungen.⁠[5]
ArthroseSchmerzen zuerst bei Belastung, morgens ein Anlaufschmerz, der mit Bewegung schnell besser wird. Geschwollene Gelenke fühlen sich fest und nicht warm an. Meist nach dem 40. Lebensjahr, häufig an Knie, Hüfte und Fingern.⁠[12]
Rheumatoide ArthritisWarme, geschwollene Gelenke, meist auf beiden Körperseiten die gleichen, vor allem an den Fingern. Morgens steif, oft über eine Stunde lang. Frauen erkranken 2- bis 3-⁠mal so häufig wie Männer, meist nach dem 50. Lebensjahr.⁠[4]
SchilddrüsenunterfunktionMuskel- oder Gelenkschmerzen zusammen mit Müdigkeit, Frieren, Verstopfung oder Gewichtszunahme. Ein Bluttest bringt Klarheit.⁠[15]
Nach gesund.bund.de und NHS. Wird die Beweglichkeit morgens auch nach 30 Minuten nicht besser, spricht das eher für eine rheumatische Gelenkentzündung.⁠[12]

Warum tun die Gelenke in den Wechseljahren weh?

Genau geklärt ist das nicht. Diskutiert wird vor allem, dass der Verlust von Östrogen die Schmerzempfindlichkeit von Gelenken und Muskeln beeinflusst.⁠[9]⁠[8] Dazu kommen Alter und Gewicht.

Gehen Gelenkschmerzen nach den Wechseljahren wieder weg?

Nicht unbedingt. Nach der Menopause hatten in Studien etwa so viele Frauen Muskel- oder Gelenkschmerzen wie in der Perimenopause, nämlich 59 %.⁠[1]

Laut NHS können Gelenkschmerzen über die Menopause hinaus anhalten.⁠[5] Mittelstarke bis starke Schmerzen werden mit dem Alter eher häufiger.⁠[10] Bei Arthrose ist der Verlauf sehr verschieden: Oft schreitet sie nur langsam voran, manchmal nehmen die Beschwerden ab einem Punkt nicht weiter zu oder lassen sogar nach.⁠[12]

Was hilft gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Am besten belegt sind Bewegung und, bei Übergewicht, Abnehmen. Die Studien dazu stammen vor allem aus der Behandlung der Kniearthrose.⁠[2]⁠[3]

WasWas die Studienlage sagt
Gezieltes TrainingAuswertung von 44 Studien mit 3.537 Menschen mit Kniearthrose: Die Schmerzen gingen direkt nach dem Training um 12 von 100 Punkten zurück, ähnlich stark wie mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln. 2 bis 6 Monate nach dem Training waren es noch 6 Punkte.⁠[2]
AbnehmenBei Übergewicht senkte jedes Kilogramm weniger die Belastung des Knies um etwa 4 kg pro Schritt.⁠[18] In einer Studie mit 454 Erwachsenen mit Kniearthrose hatten die Teilnehmer mit Diät und Training nach 18 Monaten weniger Schmerzen als mit Diät oder Training allein. Sie hatten im Schnitt 10,6 kg abgenommen.⁠[3]
In Bewegung bleibenDie wichtigste Maßnahme bei Arthrose. Wer inaktiv wird, verliert Muskelkraft und kann den Abbau des Knorpels beschleunigen.⁠[12]
SchmerzmittelMittel wie Ibuprofen lindern Arthrose-Schmerzen wirksam, am besten nur nach Bedarf und in der geringsten wirksamen Menge. Schmerz-Gele sind manchmal eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen.⁠[12]
ErgotherapieBei Arthrose an Fingern und Händen hilft Ergotherapie, belastende Bewegungen zu vermeiden. Hilfsmittel wie Greif- und Öffnungshilfen entlasten, bei Knie und Hüfte auch gut sitzende Schuhe mit fester Sohle.⁠[12]
HormontherapieMit Östrogen hatten nach einem Jahr etwas weniger Frauen Gelenkschmerzen als mit einem Scheinmittel, 76,3 % gegenüber 79,2 %.⁠[16] Ob eine Hormontherapie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.⁠[19]

Für den Alltag empfiehlt die WHO allen Erwachsenen 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Anstrengung pro Woche und an 2 oder mehr Tagen Kraftübungen für alle großen Muskelgruppen.⁠[20] Wie Sie dabei auch Gewicht verlieren, lesen Sie unter Abnehmen in den Wechseljahren. Welche Vitamine und Mineralstoffe in den Wechseljahren wirklich zählen, lesen Sie im Ratgeber Vitamine und Mineralstoffe in den Wechseljahren.

Wann sollte ich mit Gelenkschmerzen zum Arzt?

Gehen Sie in die hausärztliche Praxis, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

Besteht der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis, empfiehlt sich ein Termin in einer rheumatologischen Praxis. Im Frühstadium ist sie oft schwer zu erkennen.⁠[4]

Häufige Fragen zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren

Sind Gelenkschmerzen ein Anzeichen der Wechseljahre?

Sie können es sein. Der britische Gesundheitsdienst NHS und die britische Leitlinie NICE nennen Gelenk- und Muskelschmerzen als typische Beschwerden der Wechseljahre. In einer Auswertung von 37 Studien hatten 57 % der Frauen in der Perimenopause solche Schmerzen, vor den Wechseljahren 40 %. Andere Ursachen wie Arthrose oder Rheuma sollten trotzdem ausgeschlossen werden.

Gehen Gelenkschmerzen nach den Wechseljahren wieder weg?

Nicht unbedingt. Nach der Menopause hatten in einer großen Auswertung 59 % der Frauen Muskel- oder Gelenkschmerzen, etwa so viele wie in der Perimenopause. Laut NHS können Gelenkschmerzen über die Menopause hinaus anhalten. Bewegung und bei Übergewicht Abnehmen können die Schmerzen aber verringern.

Welcher Arzt ist bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren zuständig?

Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche oder frauenärztliche Praxis. Besteht der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis, empfiehlt gesund.bund.de einen Termin in einer rheumatologischen Praxis. Bei Arthrose kommen auch Orthopädie, Physiotherapie und Ergotherapie infrage.

Hilft Östrogen gegen Gelenkschmerzen?

Etwas, wie eine große US-⁠Studie andeutet: Mit einer Östrogentherapie hatten nach einem Jahr 76,3 % der Frauen Gelenkschmerzen, mit einem Scheinmittel 79,2 %. Die Gelenke schwollen dafür etwas häufiger an. Ob eine Hormontherapie für Sie infrage kommt, wird in der frauenärztlichen Praxis nach Nutzen und Risiken abgewogen.

Sind Muskelschmerzen in den Wechseljahren normal?

Sie sind häufig. Der NHS nennt Muskel- und Gelenkschmerzen gemeinsam als Beschwerden der Wechseljahre, und auch die große Auswertung mit 93.021 Frauen erfasste beides zusammen. Kommen Müdigkeit, Frieren oder Verstopfung dazu, lassen Sie die Schilddrüse prüfen, denn eine Unterfunktion kann ebenfalls Muskel- und Gelenkschmerzen machen.

Darf ich Sport machen, wenn die Gelenke schmerzen?

Ja, Bewegung ist bei Arthrose sogar die wichtigste Maßnahme. Wer inaktiv wird, verliert Muskelkraft und kann den Abbau des Knorpels beschleunigen, schreibt gesund.bund.de. In Studien zur Kniearthrose senkte gezieltes Training die Schmerzen ähnlich stark wie entzündungshemmende Schmerzmittel.

Kann Übergewicht Gelenkschmerzen verstärken?

Ja. Jedes Kilogramm weniger Körpergewicht senkte in einer Studie die Belastung des Knies um etwa 4 kg pro Schritt. Starkes Übergewicht belastet Knie und Hüfte, und Fettgewebe setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen im Gelenk fördern können.

Quellen

  1. Kruse C, McKechnie T, Dworsky-Fried J, Sardar A, Hacker G, Rattansi S et al. Musculoskeletal Manifestations of Perimenopause: A Systematic Review and Meta-Analysis of 93,021 Women. JB JS Open Access. 2026;11(1):e25.00254. Meta-Analyse von 37 Beobachtungsstudien aus 22 Ländern. Quelle öffnen
  2. Fransen M, McConnell S, Harmer AR, Van der Esch M, Simic M, Bennell KL. Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database Syst Rev. 2015;1(1):CD004376. Auswertung von 54 Studien mit Vergleichsgruppe bei Kniearthrose. Quelle öffnen
  3. Messier SP, Mihalko SL, Legault C, Miller GD, Nicklas BJ, DeVita P et al. Effects of intensive diet and exercise on knee joint loads, inflammation, and clinical outcomes among overweight and obese adults with knee osteoarthritis: the IDEA randomized clinical trial. JAMA. 2013;310(12):1263‑1273. Studie mit Vergleichsgruppe, 454 Erwachsene ab 55 Jahren. Quelle öffnen
  4. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit dem IQWiG: Rheumatoide Arthritis, Stand 17.10.2024. Quelle öffnen
  5. National Health Service (NHS, Großbritannien): Symptoms of menopause and perimenopause, zuletzt geprüft am 19.05.2026. Quelle öffnen
  6. National Institute for Health and Care Excellence (NICE, Großbritannien): Menopause: identification and management. Leitlinie NG23, veröffentlicht am 12.11.2015, zuletzt aktualisiert am 15.04.2026. Quelle öffnen
  7. NHS: Menopause and perimenopause, Übersichtsseite, zuletzt geändert am 27.05.2026. Quelle öffnen
  8. Watt FE. Musculoskeletal pain and menopause. Post Reprod Health. 2018;24(1):34‑43. Übersichtsarbeit. Quelle öffnen
  9. Gulati M, Dursun E, Vincent K, Watt FE. The influence of sex hormones on musculoskeletal pain and osteoarthritis. Lancet Rheumatol. 2023;5(4):e225-⁠e238. Übersichtsarbeit. Quelle öffnen
  10. Lu CB, Liu PF, Zhou YS, Meng FC, Qiao TY, Yang XJ et al. Musculoskeletal Pain during the Menopausal Transition: A Systematic Review and Meta-Analysis. Neural Plast. 2020;2020:8842110. Meta-Analyse von 16 Studien. Quelle öffnen
  11. Watt FE. Hand osteoarthritis, menopause and menopausal hormone therapy. Maturitas. 2016;83:13‑18. Übersichtsarbeit. Quelle öffnen
  12. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit dem IQWiG: Arthrose, Stand 22.09.2025. Quelle öffnen
  13. Yoon S, Lee DH, Bang J. Perimenopausal arthralgia in the shoulder. Menopause. 2018;25(1):98‑101. Studie mit 310 Frauen mit Schulterschmerzen aus Südkorea. Quelle öffnen
  14. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit dem IQWiG: Osteoporose, Stand 16.12.2022. Quelle öffnen
  15. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Stand 23.02.2026. Quelle öffnen
  16. Chlebowski RT, Cirillo DJ, Eaton CB, Stefanick ML, Pettinger M, Carbone LD et al. Estrogen alone and joint symptoms in the Women’s Health Initiative randomized trial. Menopause. 2013;20(6):600‑608. Nachträgliche Auswertung einer Studie mit Vergleichsgruppe, 10.739 Frauen nach Entfernung der Gebärmutter. Quelle öffnen
  17. Gold EB, Sternfeld B, Kelsey JL, Brown C, Mouton C, Reame N et al. Relation of demographic and lifestyle factors to symptoms in a multi-racial/ethnic population of women 40‑55 years of age. Am J Epidemiol. 2000;152(5):463‑473. Befragung von 16.065 Frauen in der US-⁠Studie SWAN. Quelle öffnen
  18. Messier SP, Gutekunst DJ, Davis C, DeVita P. Weight loss reduces knee-joint loads in overweight and obese older adults with knee osteoarthritis. Arthritis Rheum. 2005;52(7):2026‑2032. Ganganalyse bei 142 älteren Erwachsenen mit Kniearthrose. Quelle öffnen
  19. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG): S3-⁠Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015‑062, Fassung September 2020, eine Neufassung ist in der Konsultation (Stand Oktober 2026). Quelle öffnen
  20. Bull FC, Al-⁠Ansari SS, Biddle S, Borodulin K, Buman MP, Cardon G et al. World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med. 2020;54(24):1451‑1462. Bewegungsempfehlungen der WHO. Quelle öffnen

Stand: 21. Oktober 2026. Wir prüfen die Angaben vierteljährlich.